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Über den Film

Inhalt | Hintergrund

Inhalt

MENACHEM & FRED ist Familiengeschichte und gleichzeitig „Heimatfilm“. Auf der einen Seite gibt es die Familie Mayer, die in den 30er Jahren aus ihrer Heimat vertrieben wurde; auf der anderen sind die Hopps – Gründerfamilie des SAP-Konzerns, Förderer des örtlichen Fußballwunders TSG 1899 Hoffenheim und Nachkommen eines Hoffenheimer SA-Mannes – ihrem Vater. MENACHEM & FRED erzählt die außergewöhnliche Geschichte der Wiederbegegnung der jüdischen Brüder deutscher Herkunft, Menachem Mayer und Fred Raymes, die den Holocaust in einem französischen Waisenhaus überlebten, und deren Wege sich nach dem Krieg trennten.

Beide entschieden sich für diametral entgegen gesetzte Wege des (Über) Lebens – während Fred seine jüdisch-deutsche Herkunft verheimlichte und Amerikaner wurde, fand Menachem ein national-religiöses Leben als orthodoxer Jude in Israel. Viele Jahre leugnete der eine die Existenz des jeweils Anderen, bis die Briefe, die ihnen die Eltern aus dem Lager ins Waisenhaus geschrieben hatten, sie wieder zusammenbrachten. Die Vergangenheit reicht in die Gegenwart - der Film zeigt auch die Geschichte der Versöhnung mit den Nachkommen des SA-Mannes, der sie aus ihrem Haus gejagt hat.

Der Film MENACHEM & FRED beleuchtet diese einzigartige Versöhnung auf sehr menschliche Art und Weise aus vielerlei Perspektiven.

Hintergrund

Menachem und Fred hießen früher Heinz und Manfred Mayer. 1938 wurde die Familie aus ihrem Haus im badischen Hoffenheim bei Heidelberg geworfen und musste bei Verwandten unterkommen. 1940 wurden sie in den Süden Frankreichs deportiert und zusammen mit 6500 anderen Juden im Konzentrationslager Gurs in der Nähe von Oloron-Sainte-Marie interniert.

Der Winter 1940/41 war bitterkalt und die Zustände im Lager katastrophal. Die harten Bedingungen waren besonders für die Kinder schwierig; sie litten an Krankheiten, unerträglichem Hunger und unter den eisigen Temperaturen. Dank des Engagements einer jüdischen Hilfsorganisation gelang es jedoch, die Kinder in einem französischen Waisenhaus unterzubringen, das der französischen Regierung unterstand. Als sich den verzweifelten Eltern diese Möglichkeit bot, entschieden sie sich für die Trennung von ihren Söhnen. Sie hofften, dass es die Brüder im Waisenhaus besser haben würden, dass sie zu essen und warme Sachen zum Anziehen bekämen und dass die Familie nach dem Krieg wieder zusammenfinden würde. Der Vater trug Manfred auf, sich um seinen kleinen Bruder zu kümmern. Zu diesem Zeitpunkt war Heinz neun und Manfred zwölf Jahre alt. Sie sollten ihre Eltern nie wieder sehen.

Das Leben im Waisenhaus in Aspet war alles andere als einfach. Die Kinder sprachen kein Wort Französisch und waren einsam und verängstigt, aber sie waren wenigstens in Sicherheit. Sie mussten nicht mehr frieren, und es gab etwas mehr zu essen als im Lager.

Knapp zwei Jahre lang standen die Eltern mit Hilfe des Roten Kreuzes in Briefkontakt mit ihren Kindern. Im August 1941 kam der letzte Brief der Mutter, kurz vor dem Transport nach Auschwitz, wo die Eltern in den Gaskammern starben.

Nach Kriegsende brach der siebzehnjährige Manfred das Versprechen, das er den Eltern beim Abschied gegeben hatte. Er ließ seinen jüngeren Bruder in Europa zurück und flüchtete nach Amerika, wo er sich fortan Frederick Raymes nannte und seine jüdische Identität verbarg, denn nur so fühlte er sich sicher. Heinz dagegen ging später nach Israel und nahm den hebräischen Namen Menachem an. Beide wurden einflussreiche Mitglieder ihrer jeweiligen Gesellschaft und gründeten Familien. Familien, die sich nie begegneten.

Der Film begleitet die Brüder nicht nur bei ihrer Spurensuche in Europa, sondern zeigt sie auch in ihren diametral entgegengesetzten Lebenssituationen: Fred lebt in Florida und ist in zweiter Ehe mit einer nicht-jüdischen farbigen Frau aus der Karibik verheiratet. Seine Kinder aus erster Ehe sind nicht an ihren jüdischen Wurzeln interessiert. Freds Sohn David, ein Ökologe und Umweltschützer, ist mit einer gläubigen Christin verheiratet. Menachem hat seine Kinder als strenggläubige Juden erzogen, alle drei haben sich als Siedler in der Westbank niedergelassen. Sein Sohn Jonathan ist sogar Bauleiter dort. Sie leben, ähnlich wie die Generation ihrer Eltern und Großeltern, mit der täglichen Bedrohung.

Bei einem Umzug entdeckte Fred die Briefe seiner Eltern aus dem Konzentrationslager und schickte sie seinem Bruder Menachem, mit dem er jahrzehntelang keinen Kontakt mehr gehabt hatte. Daraus entwickelte sich eine Email-Korrespondenz, die zur gemeinsamen Veröffentlichung ihrer Memoiren führte (deutscher Titel: „Aus Hoffenheim deportiert. Menachem und Fred. Der Weg zweier jüdischer Brüder“, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2008. ISBN 978-3-89735-407-1). Aber es gab noch immer kein persönliches Treffen.

Erst nach fast sechzig Jahren waren die Brüder bereit, sich dem Trauma ihrer Vergangenheit zu stellen, sich wieder zu sehen und sich mit Fragen zu konfrontieren, die beide immer noch beschäftigen: Was bedeutet es zu leben? Geht es um das eigene Überleben, darum, sich und seiner Familie ein Leben in Sicherheit und Frieden zu ermöglichen, auch wenn man seine Religion und damit auch ein Stück seiner kulturellen Identität dafür aufgeben muss? Oder geht es vielmehr darum, den Fortbestand seiner Religion und seiner kulturellen Identität zu sichern, auch wenn das bedeutet, dass man in ständiger Gefahr lebt? Soll man kämpfen oder sich assimilieren? Gibt es den „richtigen Weg“?

Fred suchte Frieden und Ruhe in Florida. Er ließ sich in Sarasota nieder, wo er sich sicher fühlte – zufälligerweise der Ort, an dem die Attentäter des 11. September zeitweise lebten. Menachem beschloss, seine jüdische Identität in Israel zu leben, nachdem er für sich festgestellt hatte, dass er sich sonst als Fremder fühlen würde, was immer er auch täte.

MENACHEM & FRED ist eine berührende außergewöhnliche Familiengeschichte über zwei völlig gegensätzliche Wege jüdischen Überlebens.

Weitere Informationen finden sich im Buch zur Geschichte:

Aus Hoffenheim deportiert Menachem und Fred Der Weg zweier jüdischer Brüder
Verlag Regionalkultur ISBN 3897354071